Tag 5 (Welpentagebuch)
Heute sind die 4 überlebenden Welpen schon 5 Tage alt und nehmen nun auch endlich täglich alle tüchtig zu. Megans Temperatur ist mit 39,1 °C noch leicht erhöht, doch sie ist im Allgemeinbefinden kaum gestört.
Seit gestern frißt sie wieder mit großem Appetit mehrmals täglich “megantypisch” und zeigt ihren großen Hunger auch deutlich an. Beim Stuhl absetzen hat sie leider noch leichte Probleme, doch das wird sich sicher in den nächsten Tagen geben, denn die große Operationsnarbe heilt schön ab und Ausfluß hat sie kaum noch.

Welpen 3 Tage alt (16.02.12)
Fortsetzung Rüchblende:
(Anfang, siehe Tag 62, Trächtigkeitstagebuch 2012)
Tag 63 (13. Februar 2012): Immer wieder hat Megan Wehen, aber ist ansonsten und zwischendurch wieder sehr ruhig. Ab und an zu preßt sie, was auch im Laufe der Stunden immer kräftiger wird, jedoch mit großen Abständen dazwischen. Zwischendurch gehen wir mehrmals in den Garten, mal weil Megan möchte oder weil ich denke, dass es noch einmal gut wäre ein Stückchen zu laufen.
Im Garten setzt sich Megan jedes Mal mehrmals hin zum Stuhl absetzen und preßt kräftig, manchmal setzt sie dabei kleine Mengen Kot ab. Wenn wir wieder herein kommen ist sie meist eine Zeit lang etwas aktiver und scharrt und preßt kräftig mit. Gegen 3 Uhr geht ein großer Schwall Fruchtwasser ab, welcher auch wieder klar ist und ich denke dass es jetzt bald geschafft ist und der 1. Welpe geboren wird….
Doch es wird kein Welpe geboren und dann hört Megan wieder ganz auf aktiv zu arbeiten und schläft eine kurze Zeit. Gegen 4.30 Uhr fühle ich vorsichtig nach und kann ein kleines Schnäutzlein ertasten, dabei werden Wehen ausgelöst, die den Welpen mit der Zeit sogar bis ganz an den Scheidenausgang heran drücken, bevor er dann wieder zurück rutscht.
Leider läßt sich der Welpe niergends richtig packen um Geburtshilfe zu leisten. Mittlerweile telefonieren wir mit mehreren Tierärzten um Rat und Hilfe zu bekommen. Der Notdienst habende Tierarzt hat nur ein Band dran, wo Rückruf versprochen wird, doch er meldet sich nie bei uns. Von den anderen Tierärzten bekommen wir zum Teil sehr widersprüchliche Aussagen, falls wir sie überhaupt so früh an den Apperat bekommen. Kein Tierarzt bietet an vorbei zu kommen, keiner hat Wehenmittel und uns wird immer wieder angeraten doch Geduld zu haben, wenn es der Hündin doch offensichtlich noch gut geht und auf dem Röntgenbild eben alles in Ordnung war.
Gegen 9 Uhr sind wir mit den Nerven ziemlich fertig und beschließen, trotz wiederholtem Mal der Aufforderung weiter Ruhe zu bewahren und abzuwarten, wieder in die Klink zu fahren. Den Welpen der im Geburtskanal fest steckt haben wir mittlerweile schon aufgegeben. Ich rufe also in der Klink an und kündige unsere Ankunft an.
Wir packen wieder Megan, Handtücher, Wäschekorb und Decken ins Auto und fahren los. In der Klinik ist mittlerweile Schichtwechsel gewesen und ich gehe erst einmal alleine rein um die diensthabenden Tierärzte auf den Stand der Dinge zu bringen. Wir holen Megan herein und schnell wird klar, dass es nur die Möglichkeit des Kaiserschnittes gibt um Megan und noch lebenden Welpen eine reale Chance zu geben. Wir beschließen sie auch direkt mit kastrieren zu lassen, was sinnvoll ist bei solchen Komplikationenen und auch in Anbetracht von Megans Alter von 8 Jahren.
Üblich ist in dieser Klinik die Hündin abzugeben und erst am nächsten Tag oder abends wieder abzuholen. Auf meine Nachfrage, bzw. Forderung doch zumindest die Welpen in Empfang zu nehmen und bis zum Naktosieren und beim Aufwachen der Hündin dabei zu sein, wird irritiert und abweisend reagiert und ich höre mich sagen “Tja, dann fahren wir halt in eine andere Klinik”… doch man bittet uns inständig zu warten und will bei der Klinkleitung nachfragen.
Die Klinkleitung gibt das O.K.und ich darf mit Megan zur Vorbereitung in den Vorraum des O.P.s gehen. Es wird angemerkt, dass die Hünndin ja noch erstaunlich fit ist, aber das wäre ja auch wesentlich besser so für die schwere Operation. Die diensthabende O.P. Ärztin ist sehr nett, Megan mag sie auf Anhieb, doch viel Zeit zum Kennen lernen bleibt ihr nicht. Rasch wird Bauch und Bein rasiert, der Zugang gelegt, Megan die erste Injektion verabreicht, intubiert und dann wird sie auch schon in den O.P. geschoben und weiter für den Schnitt. vorbereitet. Entgegen der Ankündigung, bleibt die O.P. Türe offen und ich laufe schnell meinen Mann draußen holen, damit er dabei ist um die Welpen in Empfang zu nehmen.
Zuerst kam ein kleines, leichtes blaues Mächen, noch vollständig eingepackt, ich nahm sie in Empfang. Die anderen 5 Welpen kamen in kurzen Zeitabständen direkt hinter her. Der Welpe, der im Geburtsweg fest steckte, war vollkommen blau angelaufen und erschein mir riesig, doch sein kleines Herzchen schlug nicht mehr und versuchen ihn zu reanimieren wollten wir nicht. Die Ärztin erzählte uns später, dass der Welpe so sehr in der zugeschwollenen Scheide fest steckte, dass sie ihn frei schneiden mußte.
Mein Mann hat nur wenige Fotos mit dem Handy gemacht. Anfangs ist er raus gegangen, weil er dachte dass kein Welpe überleben würde und später saß er bei Megan in der Aufwachbox. Daher leider bei den meisten Bildern eine schlechte Quali.

'Hope' kurz nach der Geburt auf einem Wärmekissen, noch gibt sie kaum Lebenszeichen von sich
Die anderen 5 Welpen hatten Herzschlag, aber wollten kaum ohne kräftige Manipulation atmen. 3 Welpen waren innerhalb einer Stunde stabil, atmeten selbstständig und gaben die ersten zaghaften Töne von sich. Das kleine blaue Mädchen (Hope) welches ich hatte und ein ebenso kleines blaues Mädchen bereiteten noch Sorge, sie zeigten auch nach gut einer Stunde kaum selbstständigen Lebenszeichen, der Herzschlag war sehr flach und teilweise unregelmäßig, ebenso die Atmung der Winzlinge.

"Schneckchen" kurz nach der Geburt, er war innerhalb einer Stunde stabil
Als Megan im O.P. fertig war und bereits in der Aufwachbox lag, kam die Ärztin auch noch hinzu und griff tief in die Trickkiste. Die kleine Hope atmete immer regelmäßiger und gab dann endlich, endlich nach über 1,5 Stunden die ersten leisen Töne von sich. Das zweite kleine blaue Mädchen hat es leider trotz Intubieren und Beatmen nicht geschafft und wir haben sie dann über die Regenbogenbrücke gehen gelassen.
Das geschah, als Megan sich schon wieder regte und mit noch seitlich heraushängender Zunge zum ersten Mal die 3 stabilen Welpen beäugte und beschnupperte.

Megan in der Aufwachbox
Megan kam schnell wieder voll zu sich und schmiegte sich vertraut an mich oder meinen Mann. Als sie die Zunge wieder herein bekam, beleckte sie auch die 4 Welpen, welche mittlerweile nun richtig lebhaft waren und emsig nach den Zitzen suchten. Das klappte bei allen 4 Welpen mit etwas Geduld doch ziemlich gut und wir konnten zum ersten Mal tief durchatmen und uns, sowie Megan umarmen.
Die Ärztin war sehr lange und auch später zwischendurch immer wieder bei uns und meinte zu Megan, das wäre sicherlich toll, beim Aufwachen den bekannten Geruch in der Nase und den vertrauten Menschen an der Seite zu haben
Dann bekamen wir einen starken Kaffee gebracht und die Ärztin meinte, dass Megan sicherlich bei uns daheim am Besten aufgehoben sei, wenn sie wieder richtig wach sei. Darüber freuten wir uns sehr, denn zum großartig herum diskutieren, dass wir sie mit heim nehmen wollen, hatte ich nun wirklich keine Lust mehr.

Megan schaut direkt als ich den kleinen Rüden auf der Hand habe
Den Welpen merkt man mittlerweile von den überstandenen Strapatzen nichts mehr an, sie sind qurlig, können laut schreien und saugen sich immer wieder an den Zitzen fest.

Lucky nach der ersten Mahlzeit bei Mama, noch in der Klinik
Als Megan immer mehr Interesse an den Welpen zeigte und auch anfing intensiver zu putzen, wurde es Zeit sie zum Aufstehen zu animieren, damit der Kreislauf wieder auf Trab kommt. Megan tat brav worum wir sie baten und kam auf zitterigen Beinen und leicht schwankend aus ihrer Box heraus. Nach einigen Schritten ging es schon besser, Megan lief immer sicherer und so führte ich sie zum Abschluß noch einmal auf die Waage. Sie brachte noch 24 kg von 27,9 kg vor der O.P. auf die Waage.
Dann packten wir die 4 Welpen in den Korb, die Ärztin warf noch einen Blick auf Megan und die 4 quickenden Wuselchen und wir verabschiedeten uns.
Daheim angekommen, ging ich mit Megan noch kurz in den Garten und dann sank sie in die Kissen der großen Wurfbox und döste ein wenig vor sich hin, während die Welpen an ihren Zitzen hingen.

Megan, kurz nach der Ankunft daheim
Als die Welpen gesättigt und müde von den Zitzen fielen, haben wir sie zum 1. Mal gewogen. Durch die Umstände bei der Geburt haben alle 4 Welpen die Kosenamen mit denen sie angesprochen wurden, nun als vorläufige Namen. Den genauen Geburtszeitpunkt wissen wir nicht, das war uns ehrlich gesagt auch in der Klink ziemlich egal. Ungefähr sind die Welpen alle zwischen 10 Uhr und 11 Uhr am 13. Februar 2012 durch Kaiserschnitt geboren worden.
Gegen 15 Uhr, haben wir sie daheim gewogen:
- Schneckchen, der einzige Rüde, tricolor wog 338 gr.
- Blessy, eine tricolor Hündin wog 327 gr
- Lucky, eine blue merle Hündin wog 299 gr
- Sorgenkind Hope, auch eine blue merle Hündin wog 278 gr

Das erste Bild von "Blessi", daheim beim Wiegen
Wir möchten an dieser Stelle, auch im Namen von Megan und den Welpen, ganz herzlich dem gesammtem Team der Braunsfeld Klinik in Köln/Braunsfeld unseren tiefen und aufrichtigen Dank aussprechen. Es waren so viele helfende Hände zum Rubbeln, Wärmen, Streicheln, Helfen und Retten im Einsatz.
Ihr habt unsere Herzen berührt und den 4 Hund(ch)en, sowie Megan das Leben gerettet, Danke!
Ab Morgen geht es dann nur noch im Welpentagebuch mit Berichten der ersten Lebenstage unserer 4 kleinen Collies weiter.
Liebe Grüße
jK